Montag, 5. Januar 2015

Wärmedämmverbundsystem: Welches Material?

Wer sich für ein Wärmedämmverbundsystem entscheidet (Dämmung der Fassade durch eine vorgesetzte Wärmedämmung - Unterscheidung der Wandaufbauten siehe hier) steht vor der Wahl des Materials. Die Möglichkeiten sind extrem vielfältig - in der Praxis werden derzeit 3 Varianten hauptsächlich verwendet: EPS ("Styropor"), Mineralwolle, Dämmsteine (z.B. Multipor oder gedämmte Porotonsteine).


EPS ("Styropor"):

Das gängigste Material ist das EPS, umgangssprachlich als Styropor bekannt (synthetisch organischer Dämmstoff). Die EPS-Blöcke werden von Außen auf die Außenwand aufgebracht (in der Regel geklebt - einige Hersteller bzw. Zulassungen fordern zusätzlich eine Verdübelung). Anschließend folgen Armierungsschicht sowie Unter- und Oberputz. Zur Vermeidung von Algenbildung ist ein mineralischer Putz deutlich vorteilhafter. Ein Anstrich ist technisch nicht notwendig - ich empfehle jedoch ausdrücklich einen Anstrich (Details hierzu in einem separaten Bericht).  Der große Vorteil des EPS liegt in dem im Vergleich zu den alternativen Materialien sehr günstigen Preis bei gleichzeitig sehr guten Dämmwerten. Außerdem können Gebäudekubaturen mit Vor- und Rücksprüngen unkompliziert "eingepackt" werden. Diese Kombination aus Preis/Leistung ist sicherlich der Grund für die sehr häufige Verwendung. Es ist jedoch zu bedenken, dass dieses Material bei einer Sanierung (nach ca. 30Jahren) nach derzeitigem Stand der Technik als Sondermüll entsorgt werden muß. Außerdem ist dieses Material empfindlich gegen mechanische Beschädigungen. Aus bauphysikalischer Sicht ist es ebenfalls nicht unproblematisch, da es einen verhältnismäßig hohen Wasserdampfdurchgangswiderstand hat (Feuchtigkeit aus dem Innenraum/Konstruktion kann nicht ungehindert nach außen diffundieren). Es gibt zahlreiche Hersteller - aufgrund der sehr häufigen Ausführung dieses Systems sind die Materialien im Laufe der letzten Jahre perfektioniert worden. In Bezug auf Preis/Leistung derzeit alternativlos.


Mineralwolle (Steinwolle oder Glaswolle):

Der Aufbau des Wärmedämmverbundsystems aus Mineralwolle (synthetisch anorganischer Dämmstoff) ähnelt dem oben genannten System mit dem Unterschied, dass Dämmplatten aus Mineralwolle verwendet werden. Diese sind aus bauphysikalischer Sicht deutlich vorteilhafter, da der Wasserdampfdurchgangswiderstand geringer ist. Feuchtigkeit aus dem Innenraum/Konstruktion kann nach außen diffundieren. Außerdem ist die Mineralwolle deutlich schwerer entflammbar (bei Fassaden aus EPS sind teilweise Brandriegel notwendig -> diese bestehen aus Mineralwolle) und die Entsorgung im Falle der Sanierung ist unproblematischer. Allerdings schlägt sich dies preislich nieder  -> der Materialpreis liegt ca. 25% über dem des EPS. Der Wärmedämmwert ist nicht ganz so gut wie bei EPS, dafür ist der Schalldämmwert besser.


An Stelle der Mineralwolle sind auch alternative Materialien, wie z.B. Naturmaterialen (natürliche organische Materialien) aus Holzfasern, Kork oder Hanf möglich. Diese sind jedoch erheblich kostenintensiver und verfügen i.d.R. über einen schlechteren Wärmedämmwert. Vakuumdämmplatten sind ideal um geringe Dämmstärken zu realisieren - allerdings ebenfalls sehr kostenintensiv. Der Bauteilaufbau ist grundsätzlich bei den vorgenannten Materialien sehr vergleichbar mit dem Unterschied des Materials. Insbesondere aufgrund des höheren Preises kommen diese Materialien aber nur selten zu Ausführung. Da sich diese Lösungen preislich im Bereich eines zweischaligen Mauerwerkes (massive Innenschale, Dämmung, massive Außenschale) bewegen, ist dann ein zweischaliger Wandaufbau aus meiner Sicht sicherlich die bessere (weil auch deutlich "langlebigere") Lösung.


Dämmsteine:

Dämmsteine (wie z.B. Multipor oder gefüllte Porotonsteine) erlangen in letzter Zeit deutlich stärkere Verwendung. Der Dämmstein wird vor die Fassade "gestellt" und anschließend verputzt. Der Vorteil liegt insbesondere in einer deutlich solideren ("stabileren") Außenhülle. Auch hinsichtlich bauphysikalischer Eigenschaften sind Dämmsteine der EPS-Lösung überlegen. Allerdings schlägt sich dies deutlich im Preis nieder. In Abhängigkeit von der Gebäudekubatur (Vor- und Rücksprünge) ist dies die in diesem Vergleich kostenintensivste Lösung. Da diese Lösung jedoch sowohl preislich als auch technisch von einem zweischaligen Wandaufbau nicht weit entfernt ist (der Stein müßte nur einige Zentimeter weiter nach Außen gesetzt werden, sodass der Zwischenraum gedämmt wird), halte ich den zweischaligen Wandaufbau für geeigneter.


Zusammenfassung:

Die Möglichkeiten sind extrem vielfältig und eine pauschale Empfehlung ist nicht möglich ohne entscheidende Faktoren wie Gebäudekubatur, angestrebter Energiestandard und Lage zu berücksichtigen. Allgemein ist ein WDVS aus EPS die kostengünstigste Lösung und vielfach bewehrt, wobei die Nachteile nicht ausgeblendet werden dürfen. Mineralwolle ist aus technischer Sicht die bessere Wahl. Im Falle der Dämmsteine würde ich aufgrund des Preis/Leistungsverhältnisses einen zweischaligen Wandaufbau bevorzugen.

Ergänzung vom 03.02.2015:
Eine aktuelle Studie vom Januar 2015 zeigt, dass aktuell noch keine Möglichkeit des Recyclings des WDVS besteht. Nach wie vor müssen diese Materialien als Sondermüll entsorgt werden. Aktuell wird davon ausgegangen, dass es eine Lösung zum Recyclen des WDVS erst in ca. 10-20Jahren geben wird, wenn die Mengen des zu entsorgenden Materials deutlich steigen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar posten